Month: February 2026

König Frederik ist “allzeit bereit” für Grönland

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Royaler Mutmacher für Grönland

21.2.2026

Von: Thomas Borchert

Der dänische König besucht die Insel und wird gefeiert. Trump-Vertraute machen weiter Druck auf die Regierung in Kopenhagen.

Dänemarks König Frederik ist diese Woche so einnehmend fröhlich durch den Schnee von Grönland gestapft, dass ihn die von US-Invasionsdrohungen bis ins Mark gestresste Inselbevölkerung wie einen Popstar feierte. Unbezahlbar für das Teambuilding zwischen den 57.000 Menschen auf der polaren Rieseninsel und ihrer Ex-Kolonialmacht Dänemark fiel schon der Auftaktdialog mit einer Grönländerin aus. „Danke, dass du kommst und uns unterstützt“, sprach sie den Regenten an. Frederik, in der kleinen Hauptstadt Nuuk zu Fuß unterwegs, störte sich keine Sekunde am Du und rief zurück: „Altid klar!“, die dänische Entsprechung von „Allzeit bereit“.

Dieser Stil setzte sich fort im Gymnasium, wo Schulkinder ihn in ihren Hoodies mit „Greenland is not for sale“ auf der Brust begrüßten. „Gut, dass ihr das tragt“, lobte er im Vorbeigehen und hängte sich damit ziemlich aus dem Fenster. Als Monarch ist er zu politischer Enthaltsamkeit verpflichtet. Problemloser lief die Begegnung eines Kindergartens, wo die Besuchten bei zehn Grad zum High-Five mit Frederik Aufstellung genommen hatten. Die fünfjährige Mira äußerte sich vor dem TV-Mikro anschließend weniger politisch: „Er sieht toll aus.“

Patrouille als Symbol

Für die Planung des royalen Besuchs auf der 3.000 Kilometer entfernten Insel hatte der Kopenhagener Hof als Parole ausgegeben: Der König solle so viele Menschen vor Ort treffen wie irgend möglich. Bei den 17.000 in der Hauptstadt Nuuk schien das greifbar: Gefühlt die halbe Stadt trat an zum Händeschütteln vor dem „Kaffe Mik“, einer gemeinsamen Kaffeetafel mit Plundergebäck. Hier strahlte Jens-Frederik Nielsen, Grönlands 34 Jahre junger Regierungschef, mit dem 57- jährigen König um die Wette: „Man sieht ja, wie populär er ist und dass die Leute ihn sehr, sehr lieb haben.“

Das Kopenhagener Königshaus erfreute sich auf Grönland auch schon unter der vor zwei Jahren abgedankten Königin Margrethe II. herausragender Beliebtheit. Der Sohn punktet zusätzlich mit seiner viermonatigen Teilnahme in jungen Jahren an einer „Sirius-Patrouille“ auf Grönlands Inlandseis. 3000 Kilometer legte er dabei auf Hundeschlitten zurück. Das ist genau die militärische Patrouille, mit der Donald Trump die Dänen verhöhnt: Mehr als ein oder zwei Hundeschlitten würden sie für die Sicherheit in der Arktis nicht zustande bringen. Klar, dass Frederik jetzt mit seinem Abstecher zur „Arktischen Basisausbildung“ des dänischen Militärs in Kangerlussuaq zeigen wollte: Seht her, wie unrecht der Mann im Weißen Haus hat.

Der neue Schulterschluss zwischen Grönland und Dänemark fällt in eine eher ruhige Phase mit diskret geführten Verhandlungen zwischen Kopenhagen und Washington um die Zukunft der Insel. Premier Mette Frederiksen betont trotzdem immer wieder, die Krise sei keineswegs vorbei und dass Trump es „weiterhin ernst meint“ mit seinem Anspruch auf Grönlands unendliche Weiten, um die USA noch größer zu machen.

Erstaunlich klar hat das der US-Senator und Trump-Intimus Lindsey Graham bei der Münchner Sicherheitskonferenz bestätigt. Laut US-Medien sprach er Frederiksen hier als „Little Lady“ an und gähnte deren grönländischem Kollegen Nielsen als Reaktion auf einen Kommentar direkt ins Gesicht. Selbst sagte er: „Wen schert es einen Dreck, wem Grönland gehört?“ Offenbar ihn selbst: „Der Punkt ist, dass Grönland zur Festung ausgebaut wird, weil Donald Trump richtig Gas geben wird, sobald er das Gefühl hat, das passe als Projekt zu seiner Marke.“

Sagenhaft reiches Norwegen will mit US-Rüstung noch reicher werden

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Vorbild für Staatsfonds: Das steckt hinter Norwegens starker Rendite

13.2.2026

Von: Thomas Borchert

Der norwegische Staatsfonds lockert ethische Richtlinien. Investitionen in umstrittene US-Rüstungs- und Tech-Konzerne steigen massiv an.

Der Chefinvestor zur Vermehrung von Norwegens sagenhaften Reichtum dank Öl und Gas findet die USA unter Donald Trump weiter optimal. „Die Big-Tech-Konzerne machen da eine Menge guter Sachen,“ fällt Nicolai Tangen, Herr über den größten staatlichen Investmentfonds der Welt, als erste Begründung ein. Aber Trumps irrlichternde Wirtschaftspolitik mit immer neuen Kampfansagen Richtung Europa? „Nein, das bekümmert uns nicht,“ antwortete Tangen im TV-Sender NRK und lobte US-

Und erst recht bei Big Tech jenseits vom Atlantik: „Da fühlen wir uns wohl.“ Fragezeichen als Konsequenz aus Trumps Verwandlung der USA in eine aggressive Autokratie mit williger Hilfe der heimischen Großkonzerne sieht Nicolai Tangen überhaupt nicht: „Wir sind dazu da, Rendite zu erwirtschaften.“

Norwegens Staatsfonds profitiert von Öl und Gas – und massiven US-Investments

Jetzt belegen die Jahreszahlen des „Ölfonds“ für 2025, was dem auch privat steinreichen und mit Elon Musk verkumpelten Fondschef die wohlige Gefühlslage beschert: Neun der zehn größten Fonds-Beteiligungen stecken in der allerersten US-Riege mit Nvidia, Apple, Microsoft, Alphabet (Google), Amazon und Meta bis hin zu Tesla. Mehr als die Hälfte der norwegischen Geldanlage ist in den USA platziert und hat den Wert des Fonds bei einer Gesamtrendite von 15 Prozent auf schwer fassbare 1800 Milliarden Euro gehievt. Umgerechnet auf alle 5,6 Millionen Menschen im Land macht das einen staatlichen „Sparstrumpf“ pro Kopf von 320 000 Euro und das kleine Norwegen zu einer Finanz-Großmacht. Dieser Strumpf wächst Jahr für Jahr durch die Öl- und Gaseinnahmen, noch mehr aber dank deren Platzierung auf den weltweiten Anlagemärkten.

Finanzminister und Ex-Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ist Tangens Chef und hat aus der veränderten geopolitischen Lage schon handfeste Konsequenzen gezogen. Vielleicht etwas anders, als es manche vom Sozialdemokraten aus dem Land des Friedensnobelpreises erwartet hätten, das sich gern als „humanitäre Großmacht“ präsentiert. Stoltenberg setzte Ende letzten Jahres die ethischen Richtlinien für den Fonds außer Kraft, schickte den für die Einhaltung zuständigen Expertenrat nach Hause und kündigte neue Richtlinien bis zum Herbst an.

Stoltenberg setzt Ethikregeln für Fonds aus – und verdoppelt Palantir-Engagement

Seine bemerkenswert klare Begründung: Norwegens Ölfonds dürfe durch etwaige Beschlüsse des Rates nicht gezwungen werden, entsprechend den alten Richtlinien die Aktien bei Amazon, Microsoft und Alphabet als größten Unternehmen der Welt abzustoßen. Alle drei sind im Bericht der UN-Sonderbeauftragten für die palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese, als Lieferanten und Profiteure bei Israels völkerrechtswidriger Kriegführung gegen die Zivilbevölkerung in Gaza genannt.

„Der Ölfonds ist kein politisches Instrument“, meinte Stoltenberg. Da setzte er einen ziemlich scharfen Kontrapunkt zum Parteifreund Espen Barth Eide. Als Außenminister erklärte der, die Einstufung des israelischen Vorgehens als Völkermord im UN-Bericht sei „zutiefst ernst zu nehmen“ und werde in Oslo bei der Ausformung der eigenen Politik berücksichtigt. Man reibt sich schon die Augen: Die „Berücksichtigung“ schlug sich im Jahresbericht des Fonds etwa als Verdoppelung der norwegischen Beteiligung am Palantir-Konzern mit jetzt 5,2 Milliarden Dollar nieder. Palantir, mitgegründet vom libertären Rechts-außen-Milliardär Peter Thiel und fest an der Seite Trumps, hat bei einer „strategischen Partnerschaft“ mit Israel KI-Software für die Zielermittlung von Bomben auf Gaza bereitgestellt. Seine für viele futuristisch gruselige Überwachungssoftware spielt bei der Jagd der US-Abschiebepolizei ICE auf Migrantinnen und Migranten eine zentrale Rolle.

„Sondereinnahmen“ durch den Ukrainekrieg

Das bringt, wie derzeit alles für Rüstung und „Sicherheit“, Aktiensprünge und Rendite ohne Ende. Zusatzeinnahmen fast ohne Ende hat dem norwegischen Ölfonds auch der Krieg in der Ukraine eingebracht. 2022 und 2023 bezifferte das Finanzministerium die „Sondereinnahmen“ aus Gas und Öl allein durch infolge des Krieges gestiegene Preise auf 108 Milliarden Euro. So viel wie die komplette Ukraine-Hilfe aus den USA und Deutschland zusammen. Auf die international erhobene Forderung, doch wenigstens diesen Profit als „Kriegsgewinnler“ an das von Russland angegriffene Land weiterzureichen, kam eine bemerkenswert klare Reaktion: „Jetzt geht es um die Ukraine, aber nächstes Mal könnte man argumentieren, dass wir (Geld aus dem Fonds) für eine Hungerkatastrophe oder den Krieg in Gaza oder das Klima einsetzen“, erklärte der damalige Finanzminister Trygve Vedum in der Zeitung „Aftenposten“.

Genau – denken und wünschen sich sicher viele, aber wohl in Zukunft noch vergeblicher als bisher. Ida Worden Bache, Chefin von Norwegens Nationalbank, hat schon vor einem Jahr angekündigt, in welche Richtung sich die Umarbeitung der Ethikrichtlinien für den Ölfonds bewegen sollen: „Wir müssen offen dafür sein, dass sich ändern könnte, was als ethisch akzeptabel gilt, wenn die Welt wieder von militärischer Aufrüstung und wachsenden Spannungen zwischen den Ländern geprägt wird.”

Norwegen sinkt tief in die Epstein-Kloake

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Norwegens Königshaus im Sog der Epstein-Affäre

7.2.2026

Von: Thomas Borchert

Wenn der Chef-Juror für den Friedensnobelpreis Jeffrey Epstein schriftlich „extraordinary girls“ in Albanien empfiehlt, guckt man schon genauer hin. Thorbjørn Jagland mailte das 2012 als Reiseeindruck aus Tirana, also nach Epsteins Verurteilung wegen Anstiftung zur Prostitution Minderjähriger. Ein halbes Jahr vorher hatte der Norweger in Oslo den Friedensnobelpreis an drei Afrikanerinnen aus Liberia und Jemen „für ihren gewaltfreien Kampf für die Sicherheit von Frauen“ überreicht.

Jetzt ermittelt die Kripo gegen den Ex-Regierungschef, -Parlamentspräsident und -Außenminister seines Landes sowie Generalsekretär im Europarat wegen Verdachts auf „schwere Korruption“. Denn aus den Epstein-Files geht hervor, dass der Sozialdemokrat offenbar eine Einladung zum Ferienaufenthalt beim pädophilen US-Milliardär in Florida für die Familie nebst anderen Geschenke dankbar angenommen hat. Per Mail hat er ihn um die Bürgschaft für einen Wohnungskauf gebeten.

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Epstein-Files könnten Keir Starmer das Amt kosten

Jagland bestreitet alle Vorwürfe. Er ist nur einer aus Norwegens „Elite“, deren Willfährigkeit auf verblüffend breiter Front gegenüber dem steinreichen Verbrecher die Epstein-Files aus der verborgenen Kloake ans Licht gebracht haben. Ganz vorn dabei das Königshaus mit Kronprinzessin Mette-Marit, die auch gern in Begleitung ihrer privaten Yoga-Betreuerin kostenfrei bei Epstein Ferien machte. Sie wechselte massenhaft schleimige, bisweilen flirtende Mails mit dem Verbrecher. „Ich bedauere meine Freundschaft mit Jeffrey Epstein zutiefst. Es ist mir wichtig, mich bei allen zu entschuldigen, die ich enttäuscht habe“, bedauerte die Ehefrau von Kronprinz Haakon am Freitag.

Bei allem Mitleid in der Bevölkerung für die 52-Jährige mit schwerer Lungenfibrose und dem Gerichtsverfahren gegen ihren Sohn Marius Borg Høiby wegen Vergewaltigung: Dass Mette-Marit demnächst als Königin huldvoll Frauenhäuser besucht, hält nach Umfragen nur noch eine kleine Minderheit der 5,6 Millionen im Land der Fjorde für wünschenswert. Die Hilfsorganisation „Sex und Gesellschaft – für das Recht auf körperliche Selbstbestimmung“ hat der Epstein-Freundin schon mal die Schirmherrschaft entzogen.

Aus der Wirtschaftssphäre liefert Børge Brende, früher mal Außenminister und aktuell als CEO beim World Economic Forum (WEF) in Davos auf der Weltbühne, mit jeder Menge kumpeligen Mails sowie SMSen an Epstein kaum glaublichen Lesestoff. Auf Epsteins hingerotzte Bemerkung, die UN sollten „wir“ bitte ersetzen durch das Forum in Davos, tippte Brende als Antwort ein: „Einig.“

Die Crème de la Crème

Beide mokierten sich entspannt über das Aussehen einer Politikerin als „Miss Piggy“. Brende traf sich in Epstein New Yorker Wohnung gern auch mit dem US-Rechtsradikalen Steve Bannon. Es dürfte klar sein, dass seine Tage in Davos gezählt sind. WEF-Gründer Klaus Schwab wütet schon öffentlich gegen den Norweger, weil der seine Epstein-Kontakte verheimlicht habe.

Am wildesten als korrupte Nutznießer von Epsteins Spinnennetz mit „wichtigen Leuten“ hat es den veröffentlichten Files zufolge die Crème de la Crème der norwegischen Diplomatie getrieben. Mona Juul musste ihren aktuellen Posten als Botschafterin im jordanischen Amman räumen, als bekannt wurde, dass Epstein noch wenige Tage vor seinem mysteriösen Tod 2019 in einer New Yorker Gefängniszelle beiden Kindern der Norwegerin und ihres Ehemannes Terje Rød Larsen je fünf Millionen Dollar testamentarisch vermacht hat.

Epstein: Hilfsbereiter Verbrecher

Rød Larsen machte sich in den 90er Jahren international einen Namen als norwegischer Vermittler für das Osloer Abkommen zwischen Israel und Palästina, das dann auch 1994 zum Osloer Friedensnobelpreis an PLO-Chef Jassir Arafat und den israelischen Regierungsspitzen Jitzhak Rabin und Shimon Peres führte. Rød Larsen brachte das internationale Topjobs in der UN und als Chef eines „International Peace Institute“ in New York ein.

Daraus entstand die Verbindung zu Epstein, deren Früchte für das Power-Paar wie aus einer Streaming-Serie über unersättliche Raffgier bei den sowieso schon Privilegierten klingen. So gab es bei den kostenfreien Aufenthalten in Palm Beach auch Apple-Uhren für die beiden Kinder. Am 5. April 2012 bat der geschätzte Friedensmakler seinen US-Freund am 5. April um Makeln bem Kauf einer exklusiven Osloer Stadtwohnung mit 300 qm. „für dich und die deinen tu ich alles,“ schrieb der, worauf Rød-Larsen bekannte: „Du bringst mich zum Weinen.“

Der hilfsbereite Verbrecher hielt Wort und managte selbst den Kauf von Schiffsreeder Morits Skaugen bei einem Treffen in Paris. Der ging mit dem Preis um die Hälfte runter und sagt jetzt in norwegischen Medien: „Das war nicht freiwillig.“ Epstein habe gedroht, ihn in den Ruin zu treiben. Wie im Chor bedauern alle aus der norwegischen Epstein-Abteilung ihre „mangelnde Urteilskraft“ samt „fehlenden Wissens“ zum ungeheuerlichen Missbrauch junger Frauen.Nachdem sie vorher Kontakte mit Epstein beharrlich mit Lügen abgestritten hatten.

Ihre Landsleute müssen neu sortieren, wie dieser Alptraum zusammenpasst mit ihrem Bild vom eigenen Land. Was stimmt jetzt noch: Dass Skandinavien und Korruption nicht zusammenpassen, Norwegens Beste selbstlos die Friedensfackel durch die Welt tragen und Frauen hier sicherer sind als überall sonst? Die Kinder lernen auch in die Schule, dass ihre Königlichen zum Skifahren auf dem Holmenkollen mit der Straßenbahn zuckeln wie alle anderen

Trumps Grönland-Irrsinn macht Dänemarks Regierung vor Neuwahlen populär

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Dänemarks Suche nach Normalität

3.2.2026

Von: Thomas Borchert

Der Punktsieg für Grönland verschafft der Regierung von
Mette Frederiksen dringend nötigen Kredit für dieses Wahljahr

Ob vielleicht der nächste Friedensnobelpreis wieder nicht an den davon besessenen Donald Trump geht – dafür aber an Mette Frederiksen? Die „New York Times“ jedenfalls hat Dänemarks Premier schon mal für ihren Einsatz gegen eine US-Annexion Grönlands mit einem äußerst gewinnenden Foto auf der Titelseite und ganz großen Worten geehrt: „Frau Frederiksen hat monatelang mit Herrn Trump ein nerviges Spiel bei maximal riskantem Einsatz gespielt, und es sieht so aus, als habe sie gewonnen – erst mal.“

Trumps Rücknahme sämtlicher Drohungen von Invasion bis zu Strafzöllen und seine plötzlich butterweiche Verhandlungsbereitschaft machten Frederiksens anschließende Besuche in Berlin und Paris zusammen mit Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen zur Siegestour. Emmanuel Macron trug seine Begeisterung für die von Europa mitgetragene Standhaftigkeit der Nordlichter gegen den Möchtegern-Imperator erst in – dem wirklich sauschweren – Grönländisch und dann in Dänisch vor: Seht her, es geht doch!

Geschickter Vergleich mit der Ukraine

Im Berliner Talkshowstudio nahm die 48-jährige Frederiksen die ihr von Sandra Maischberger freundlich überlassene Rolle als Geopolitikerin ohne Zögern und prinzipienfest an: „Ich bin Hardlinerin bei der Sicherheitspolitik.“ In der Nordischen Botschaft wagte sie sich laut „New York Times“ bei der Einordnung von Trumps Griff nach Grönland bemerkenswert weit vor: „Ich habe nie geglaubt, das es beim Krieg in der Ukraine um die Ukraine geht. Es geht um Russland und Russlands imperiale Träume und den Willen, irgendwann mit Europa Krieg zu führen. Auf die Lage in Grönland muss man genauso blicken.“

Vielen der sechs Millionen Menschen in Dänemark und erst recht vielen der 57 000 in Grönland ist der fürchterliche Ukraine-Vergleich oft durch den Kopf gegangen, als Trump seine martialischen Drohungen mit militärischer Gewalt und Hohn über den europäischen Kleinstaat samt der „Eisfläche“ Grönland verbreitete. Ob dem Spuk nun unter dem Strich die einige und entschlossene Reaktion aus Europa oder Trumps enorme Probleme im eigenen Land oder eine Kombination aus beidem ein plötzliches Ende bereitet haben: Auch in Dänemark und der Ex-Kolonie Grönland sind sich alle einig, dass Frederiksen und ihr Außenminister Lars-Løkke Rasmussen genau den richtigen Ton zur kompromisslosen Verteidigung von territorialer Integrität und Selbstbestimmungsrecht der Grönländer getroffen haben.

Fast so surreal wie die Vorstellung einer US-Militäraktion ist für das bis dato grenzenlos US-treue Dänemark jetzt das plötzliche Verschwinden dieses Gespensts. Klar, es kann jederzeit wieder ein irritierender Trump-Post auf „Truth Social“ das „nervige Spiel“ auf Start zurücksetzen. Aber die Kopenhagener Medien versuchten nun erst mal, sich selbst wieder auf Start zu setzen.

Jetzt geht es ums Wetter und um Alltagspreise

Mit einem Schlag lieferten das kalte Winterwetter und die steigenden Preise die Schlagzeilen. Und dass Frederiksens Regierung mit einem einmaligen „Lebensmittel-Scheck“ samt Senkung der Mehrwertsteuer jetzt helfen will.

So hatte das Frederiksen auch schon in ihrer Neujahrsansprache verkündet, als letzter verzweifelter Rettungsversuch einer hoffnungslos unpopulären Regierungschefin vor den dieses Jahr fälligen Neuwahlen.

Nach der (an den fortwährenden Niedergang der deutschen Schwesterpartei erinnernden) Katastrophe für ihre Sozialdemokratie bei den Kommunalwahlen entschuldigte sich Frederiksen gleich beim ganzen Land: „Ich hab nicht gut genug zugehört.“ Wohl wahr bei Umfragewerten von 17 Prozent gegenüber 27 bei den jüngsten Wahlen.

Noch hoffnungsloser in Richtung einer der „Titanic“ zur Ehre gereichenden Havarie lief es für Außenminister Rasmussen mit seiner vor den letzten Wahlen 2022 eiligst zusammengezimmerten Parteigründung „Moderaterne“. Immer neue Skandale, unter anderem wegen Hochstapelei, MeToo und Job Mobbing, brachten der Fraktion den originellen Spottnamen „Clown-Bus“ ein.

Auch das hat Trump komplett umgewälzt. Frederiksens Sozialdemokratie mit jetzt 22 Umfrageprozenten und Rasmussens „Bus“ mit den vielen Witzfiguren bei sechs Prozent liegen so gut wie lange nicht mehr. Vieles spricht dafür, dass die Regierungschefin jetzt ganz schnell Neuwahlen ausschreibt.

Zum Kopenhagener Wahlkampfmodus passte am Freitag  eine neue Verschärfung der ohnehin betont harten dänischen „Ausländerpolitik“: Auch entgegen der Rechtsprechung zur Europäischen Menschenrechtskonvention will Frederiksens Regierung künftig alle Straftäter ausweisen, so zu mehr als einem Jahr Haft verurteilt. Frederiksen hatte sich zusammen mit der italienischen Kollegin Giorgia Meloni seit längerem mit zunehmendem Erfolg als Speerspitze für die Aushebelung „unzeitgemäßer“ Konventionen eingesetzt.

Zu ihren Plänen sagte Frederiksen am Freitag: „Ich glaube nicht, dass sich jemand beim Schreiben der internationalen Regeln vorstellen konnte, dass man aus dem Nahen Osten flieht, ins beste Land der Welt kommt und anfängt, Mädchen und Frauen zu vergewaltigen.“ In jenen Regeln kamen auch die Pläne von Donald Trump nicht vor.

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