Month: February 2026

Trumps Grönland-Irrsinn macht Dänemarks Regierung vor Neuwahlen populär

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Dänemarks Suche nach Normalität

3.2.2026

Von: Thomas Borchert

Der Punktsieg für Grönland verschafft der Regierung von
Mette Frederiksen dringend nötigen Kredit für dieses Wahljahr

Ob vielleicht der nächste Friedensnobelpreis wieder nicht an den davon besessenen Donald Trump geht – dafür aber an Mette Frederiksen? Die „New York Times“ jedenfalls hat Dänemarks Premier schon mal für ihren Einsatz gegen eine US-Annexion Grönlands mit einem äußerst gewinnenden Foto auf der Titelseite und ganz großen Worten geehrt: „Frau Frederiksen hat monatelang mit Herrn Trump ein nerviges Spiel bei maximal riskantem Einsatz gespielt, und es sieht so aus, als habe sie gewonnen – erst mal.“

Trumps Rücknahme sämtlicher Drohungen von Invasion bis zu Strafzöllen und seine plötzlich butterweiche Verhandlungsbereitschaft machten Frederiksens anschließende Besuche in Berlin und Paris zusammen mit Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen zur Siegestour. Emmanuel Macron trug seine Begeisterung für die von Europa mitgetragene Standhaftigkeit der Nordlichter gegen den Möchtegern-Imperator erst in – dem wirklich sauschweren – Grönländisch und dann in Dänisch vor: Seht her, es geht doch!

Geschickter Vergleich mit der Ukraine

Im Berliner Talkshowstudio nahm die 48-jährige Frederiksen die ihr von Sandra Maischberger freundlich überlassene Rolle als Geopolitikerin ohne Zögern und prinzipienfest an: „Ich bin Hardlinerin bei der Sicherheitspolitik.“ In der Nordischen Botschaft wagte sie sich laut „New York Times“ bei der Einordnung von Trumps Griff nach Grönland bemerkenswert weit vor: „Ich habe nie geglaubt, das es beim Krieg in der Ukraine um die Ukraine geht. Es geht um Russland und Russlands imperiale Träume und den Willen, irgendwann mit Europa Krieg zu führen. Auf die Lage in Grönland muss man genauso blicken.“

Vielen der sechs Millionen Menschen in Dänemark und erst recht vielen der 57 000 in Grönland ist der fürchterliche Ukraine-Vergleich oft durch den Kopf gegangen, als Trump seine martialischen Drohungen mit militärischer Gewalt und Hohn über den europäischen Kleinstaat samt der „Eisfläche“ Grönland verbreitete. Ob dem Spuk nun unter dem Strich die einige und entschlossene Reaktion aus Europa oder Trumps enorme Probleme im eigenen Land oder eine Kombination aus beidem ein plötzliches Ende bereitet haben: Auch in Dänemark und der Ex-Kolonie Grönland sind sich alle einig, dass Frederiksen und ihr Außenminister Lars-Løkke Rasmussen genau den richtigen Ton zur kompromisslosen Verteidigung von territorialer Integrität und Selbstbestimmungsrecht der Grönländer getroffen haben.

Fast so surreal wie die Vorstellung einer US-Militäraktion ist für das bis dato grenzenlos US-treue Dänemark jetzt das plötzliche Verschwinden dieses Gespensts. Klar, es kann jederzeit wieder ein irritierender Trump-Post auf „Truth Social“ das „nervige Spiel“ auf Start zurücksetzen. Aber die Kopenhagener Medien versuchten nun erst mal, sich selbst wieder auf Start zu setzen.

Jetzt geht es ums Wetter und um Alltagspreise

Mit einem Schlag lieferten das kalte Winterwetter und die steigenden Preise die Schlagzeilen. Und dass Frederiksens Regierung mit einem einmaligen „Lebensmittel-Scheck“ samt Senkung der Mehrwertsteuer jetzt helfen will.

So hatte das Frederiksen auch schon in ihrer Neujahrsansprache verkündet, als letzter verzweifelter Rettungsversuch einer hoffnungslos unpopulären Regierungschefin vor den dieses Jahr fälligen Neuwahlen.

Nach der (an den fortwährenden Niedergang der deutschen Schwesterpartei erinnernden) Katastrophe für ihre Sozialdemokratie bei den Kommunalwahlen entschuldigte sich Frederiksen gleich beim ganzen Land: „Ich hab nicht gut genug zugehört.“ Wohl wahr bei Umfragewerten von 17 Prozent gegenüber 27 bei den jüngsten Wahlen.

Noch hoffnungsloser in Richtung einer der „Titanic“ zur Ehre gereichenden Havarie lief es für Außenminister Rasmussen mit seiner vor den letzten Wahlen 2022 eiligst zusammengezimmerten Parteigründung „Moderaterne“. Immer neue Skandale, unter anderem wegen Hochstapelei, MeToo und Job Mobbing, brachten der Fraktion den originellen Spottnamen „Clown-Bus“ ein.

Auch das hat Trump komplett umgewälzt. Frederiksens Sozialdemokratie mit jetzt 22 Umfrageprozenten und Rasmussens „Bus“ mit den vielen Witzfiguren bei sechs Prozent liegen so gut wie lange nicht mehr. Vieles spricht dafür, dass die Regierungschefin jetzt ganz schnell Neuwahlen ausschreibt.

Zum Kopenhagener Wahlkampfmodus passte am Freitag  eine neue Verschärfung der ohnehin betont harten dänischen „Ausländerpolitik“: Auch entgegen der Rechtsprechung zur Europäischen Menschenrechtskonvention will Frederiksens Regierung künftig alle Straftäter ausweisen, so zu mehr als einem Jahr Haft verurteilt. Frederiksen hatte sich zusammen mit der italienischen Kollegin Giorgia Meloni seit längerem mit zunehmendem Erfolg als Speerspitze für die Aushebelung „unzeitgemäßer“ Konventionen eingesetzt.

Zu ihren Plänen sagte Frederiksen am Freitag: „Ich glaube nicht, dass sich jemand beim Schreiben der internationalen Regeln vorstellen konnte, dass man aus dem Nahen Osten flieht, ins beste Land der Welt kommt und anfängt, Mädchen und Frauen zu vergewaltigen.“ In jenen Regeln kamen auch die Pläne von Donald Trump nicht vor.

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