Grönlander und Dänen stehen auf gegen den “Eroberer” Trump

Zehntausende demonstrieren gegen Donald Trumps Griff nach Grönland
19.1.2025
Von: Thomas Borchert
Massenproteste in Nuuk und Kopenhagen zeigen den Widerstand. Trump droht mit Strafzöllen gegen Dänemark und europäische Verbündete.
Eins hat Donald Trump mit seinem ständig brutaleren, absurden, aber längst nicht entschiedenen Griff nach Grönland schon mal geschafft: Auf der Arktisinsel und im mit ihr verbundenen Dänemark ist der Wille zum Widerstand gegen den eroberungshungrigen US-Präsidenten erwacht. Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen, der noch ein paar Tage vorher von der „Stunde diplomatischer Verhandlungen“ gesprochen hatte, rief am Wochenende durch ein simples Megafon Tausenden Demonstranten in der Hauptstadt Nuuk zu: „Wir entscheiden selbst über unsere Zukunft. Niemand sonst hat sich darin einzumischen.“ Zusammen mit gefühlt der Hälfte der Hauptstädter skandierte seine kleine Ministerriege vor dem US-Konsulat immer wieder „Grönland gehört uns.“
Im 3000 Kilometer entfernten Kopenhagen reagierte am Sonntag die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen auf Trumps Drohung mit Strafzöllen in deutlich schärferer Tonlage als bisher: „Europa lässt sich nicht erpressen.“ Auch sei jetzt klar: „Das hier ist ein Anliegen, das weit über unsere eigenen Grenzen reicht.“
Tags zuvor gingen in Kopenhagen und anderen dänischen Städten gut 20 000 Menschen bei ungemütlichem Wetter auf die Straße. Niemand hatte auch nur annähernd mit dieser Beteiligung gerechnet. Julie Rademacher, Sprecherin der in Dänemark lebenden Inuit aus Grönland, brach beim Anblick der riesigen Menschenmenge mit grönländischen Fähnchen vor Kopenhagens Rathaus in Tränen aus: „Wir werden jeden Tag mit finsteren Drohungen Trumps überschüttet und können nicht schlafen. Es hat etwas Erlösendes, dass so viele uns unterstützen.“ Dänemarks Regierung schickte eine Ministerin aufs Podium.
Wie einst gegen Putin
Zuletzt hatte Kopenhagen eine Kundgebung dieser Größenordnung und in vergleichbarer Tonlage 2022 beim russischen Überfall auf die Ukraine erlebt. Es folgte herausragend massive militärische Unterstützung aus dem kleinen skandinavischen Land für den Abwehrkampf gegen die vom Autokraten Wladimir Putin geschickten Invasoren. Jetzt muss eigenes Militär mit Unterstützung aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den skandinavischen Nachbarländern den Autokraten im Weißen Haus vor so etwas auf Grönland zumindest symbolisch warnen.
So als am Wochenende zwei dänische Jets vom Typ F-35, gerade erst wieder in den USA eingekauft, mit einem französischen Tankflugzeug über dem Südosten der Polarinsel „übten“. Dazu gehörte auch die Entsendung von 15 Bundeswehr-Angehörigen und anderen aus europäischen Nato-Ländern nach Nuuk. Offiziell ging es um den gemeinsamen Schutz der Arktisinsel. Doch Trump verstand die Militärentsendung völlig zutreffend als gegen sich und seine Begehrlichkeiten gerichtet.

Dass er Dänemark, Deutschland und die anderen beteiligten Länder dafür jetzt mit Strafzöllen überziehen will, hat in Kopenhagen zu noch mehr Angst und Erleichterung zugleich geführt. „Wir sind ein kleines Land mit 20 Prozent unseres Exports in die USA“, erklärt Brian Mikkelsen vom Arbeitgeberverband und fürchtet um den Bestand von „Wohlstand und Wohlfahrt“, sollte Trump ernst machen mit einem Wirtschaftskrieg gegen den aufmüpfigen Kleinstaat.
„Europa muss das für uns lösen“, sagt er und umschreibt damit vorsichtig, warum sich die Daumen nach Trumps letztem Aggressionsausbruch hinter den Kulissen auch ein bisschen nach oben gedreht haben. Antworten muss Kopenhagen auf die Strafzölle nicht solo finden, sondern kann als Teil der EU-Zollunion hoffen, dass Brüssel die geballte europäische Wirtschaftsmacht gegen Trumps Mafiapolitik einsetzt.
Soli-Besuch aus den USA
Ein bisschen Mut gemacht hat auch der Besuch von elf US-Politikern aus Senat und Repräsentantenhaus in Kopenhagen, die daheim Mehrheiten gegen die feindliche Bedrohung eines Alliierten sammeln wollen. Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen musste sehr schnell einsehen, dass seine Einigung in Washington auf eine „hochrangige Arbeitsgruppe“ zu Grönland Trump nicht die Bohne interessiert. Rasmussen brach am Sonntag zu einer Rundreise durch skandinavische und europäische Hauptstädte auf. Dänemarks Politik bewegt sich fast unweigerlich darauf zu, Donald Trump in eigener Sache genauso als Feind einzuordnen wie in den vergangenen Jahren Wladimir Putin