Tapfere Dänen und Grönlander bei den Eroberern in Washington

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Dänemark lehnt US-Annexionspläne ab und stationiert Truppen auf Grönland

15.01.2026

Von: Thomas Borchert

Nach dem Treffen in Washington bleibt der Konflikt bestehen. Trump droht weiter mit der „harten Tour” zur Eroberung Grönlands.

Wohl ein gewagter Spruch. „Ich bin kein Chamberlain und sehe das hier nicht als peace in our time“, hat Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen seine Visite in Washington zusammen mit der grönländischen Kollegin Vivian Motzfeldt eingeordnet. Die eine Stunde zum Streit um Grönland bei Vizepräsident J.D. Vance und Außenminister Marco Rubio war ja glimpflicher gelaufen als befürchtet.

Die Einigung auf eine „hochrangige Arbeitsgruppe“ über die Zukunft der größten Insel der Welt klang eher nach Verhandlungswillen als nach einer baldigen Invasion von US-Truppen. Auch verzichtete Vance, der sich selbst in letzter Minute zu dem Treffen eingeladen hatte, auf die öffentliche Demütigung eines nicht vollkommen unterwürfigen Partners wie letzten Februar beim ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Oval Office.

Rasmussen machte gar nicht erst den Versuch, das schönzureden. Viel klarer als Motzfeldt, Vertreterin von 57 000 zunehmend verängstigten Menschen gegenüber der größten Militärmacht der Welt, benannte der bullige Politik-Veteran aus Kopenhagen, dass das Gespräch im Weißen Haus nichts am Grundkonflikt ändere: „Präsident Trump hat den Wunsch, Grönland zu erobern.“ Bei aller Bereitschaft zu gemeinsamer militärischer Sicherung der Arktis sei das für die dänisch-grönländische Seite eine „rote Linie“. Auch einen „Kauf“ schloss er kategorisch aus: „Die Grönländer wollen das unter keinen Umständen. Wir schreiben 2026, da können Menschen Handel treiben, aber nicht mit Menschen als Handelsware.“

Die dänische Seite machte in Washington nicht nur mit Ministerworten klar, dass der Glaube an Aussitzen durch liebedienerisches Schönreden dahin ist. Ein paar Stunden vor dem Treffen verkündete die Regierung daheim die permanente Stationierung von Militäreinheiten auf Grönland, unterstützt vor allem von Schweden und Norwegen sowie auch den großen europäischen Verbündeten Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Die Ankündigung war nur als demonstrativer Akt gegenüber der Invasionsdrohung vom größten Nato-Verbündeten zu verstehen. Klarer als bisher positionierte sich diese Woche auch die Regierung des teilautonom zu Dänemark gehörenden Grönland gegenüber Trump. Der von der Hauptstadt Nuuk ins 3000 Kilometer entfernte Kopenhagen gereiste Regierungschef Frederik Nielsen erklärte dort ohne jedes Wenn und Aber: „Wir wählen Dänemark.“ Dafür sollen im Angesicht der Bedrohung aus den USA auch durchaus starke Wünsche nach vollkommener Unabhängigkeit von der früheren Kolonialmacht auf Eis gelegt werden.

Als dänischer David in Goliaths Washingtoner Höhle schreckte Rasmussen auch nicht vor persönlicher Kritik am dafür empfindlichen Trump zurück. Dessen Behauptung, es „wimmele“ rund um Grönland von chinesischen und russischen Kriegsschiffen, sei einfach unwahr. „Ich wünsche mir, dass wir nicht jeden Tag mit neuen Drohungen aufwachen müssen“, seufzte Rasmussen im TV-Sender „Fox News“ zu Trumps gerade wieder ausposaunter Ankündigung, wenn man Grönland nicht „auf die weiche Tour“ bekomme, werde es eben die harte. Gegen seine Verhöhnung Dänemarks, das angeblich nur einen Hundeschlitten zur militärischen Sicherung der Arktisinsel bereitstelle, verwies Rasmussen auch auf den Opferwillen seines Landes als extrem treuer US-Verbündeter im Afghanistan-Krieg.

Der Vergleich der eigenen Mission mit der des unglückseligen britischen Premiers Neville Chamberlain 1938 in München fiel zu späterer Stunde im eher vertrauten Kreis dänischer Medien. Rasmussen haut gern mal munter gewagte Sprüche raus und garniert sie mit Selbstironie. Hier lag er erst mal schief. Chamberlain hatte das von Hitler gegenüber der Tschechoslowakei beanspruchte Sudetenland geopfert und gemeint, damit sei „Frieden in unserer Zeit“ gesichert. Ein Jahr später startete Deutschland dann den Zweiten Weltkrieg mit dem Überfall auf Polen.

Weder Dänemark noch die europäischen Verbündeten haben bisher Grönland aufgegeben. Aber wie Premier Mette Frederiksen aus Kopenhagen kommentierte: „Das richtige Schwere liegt leider noch vor uns.“ Vance und Rubio bestätigten das postwendend. Sie hielten es nach dem Treffen für unter ihrer Würde, den Besuch aus Dänemark und Grönland zu kommentieren oder gar mit Rasmussen und Motzfeldt vor die Kameras zu treten. Trump, nach eigener Aussage noch nicht über das offensichtlich nicht so wichtige Treffen gebrieft, erweiterte die Verhöhnung Dänemarks mit dem einen Hundeschlitten für Grönland: „Sie haben einen zweiten Hundeschlitten bereitgestellt.“ Was von Rasmussens Chamberlain-Spruch hängenbleibt, ist die Gleichsetzung Donald Trumps mit Adolf Hitler.

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