US-Annektion von Grönland rückt näher

Trump will schon bald über Grönland „sprechen“
06.01.2025
Von: Thomas Borchert
Mit Mafia-Ton und Militärdrohungen erhöht die US-Regierung den Druck auf die zu Dänemark gehörende Insel.
Lasst uns in 20 Tagen über Grönland sprechen“, hat Donald Trump auf die Frage geantwortet, ob die USA nach Venezuela nun auch bei der riesigen Polarinsel „zur Tat schreiten werden“. Trump weiter: „Wir brauchen Grönland absolut.“ Für alle, die das immer noch als leere Drohgebärde gegenüber dem Nato-Verbündeten Dänemark abtun wollen, hatte Pentagon-Chef Pete Hegseth den völkerrechtswidrigen Angriff auf Venezuela als Beweis parat: Der Präsident stehe für Handlung. „Wenn er sagt, etwas sei wichtig, dann ist es das. Und wir werden alles Notwendige mit dem vollen Gewicht des Kriegsministeriums durchziehen“, so Hegseth.
Die finstere Botschaft im Mafia-Ton begleitete ein Posting aus Trumps Umfeld auf X, das eine Grönland-Karte in den Farben von Stars & Stripes, der US-Flagge, und dem Kurzkommentar „SOON“, also „bald“, zeigte. In Nuuk, der Hauptstadt des teilautonom zu Dänemark gehörenden Grönland, empörte sich Regierungschef Jens-Frederik Nielsen, Parallelen zwischen Venezuela und Grönland zu ziehen inklusive militärischer Drohgebärden, sei „respektlos“. Das klang vor allem hilflos als Sprecher der 57 000 Menschen auf der größten Insel der Welt.
Ihr erklärter Widerwille gegen die „Annektierungs-Fantasien“, so Nielsen, dürfte den derzeit Herrschenden in Washington unter dem Strich genauso gleichgültig sein wie Widerspruch aus Kopenhagen, der Hauptstadt der Ex-Kolonialmacht Dänemark, wo nach wie vor über die Sicherheitspolitik für das teilautonome Grönland entschieden wird. Nun aber gemeinsam im Rahmen einer „Reichsgemeinschaft“, zu der auch die Färöerinseln gehören.
Ministerpräsidentin Mette Frederiksen reagierte auf die jüngsten Trump’schen Drohungen dramatisch schärfer als bisher: „Die USA haben kein Recht, eins der drei Länder unserer Reichsgemeinschaft zu annektieren. Das Königreich Dänemark ist Teil der Nato und damit von der Sicherheitsgarantie der Allianz umfasst.“ Der Hintergrund für diese Äußerung klingt so einleuchtend wie absurd: Dänemark beruft sich gegen die Drohung mit möglicherweise militärischem Raub eigenen Territoriums ausgerechnet durch den mächtigsten Verbündeten in der Nato auf die Beistandsverpflichtung in Artikel 5 des Nato-Vertrages. Danach wird jeder Angriff auf ein Mitglied als Angriff auf alle verstanden und militärisch beantwortet.


Dabei ist für alle im hohen Norden klar, dass Trump militärischen Widerstand als Letztes befürchten müsste, sollte er „in 20 Tagen“ oder später Ernst machen mit dem Griff nach Grönland. Dass damit die Nato ad absurdum geführt und zwangsläufig am Ende wäre, dürfte den megalomanen Mann im Weißen Haus weniger Kopfschmerzen bereiten als seinen Noch-Partnern in Europa von Friedrich Merz über Keir Starmer bis Emmanuel Macron. Während die drei mit windelweichen Kommentaren zu Venezuela um jeden Preis Kritik an Washington umschiffen wollten, ließ die Trump-Regierung mit ihren unverhüllten Drohungen Richtung Grönland der Dänin Frederiksen keine Wahl mehr, als nun doch mal Ross und Reiter zu nennen.
Unterstützung kommt von den nordischen Nachbarn, allesamt Nato-Mitglieder. Sogar der finnische Präsident Alexander Stubb, der mal sieben Stunden am Stück mit Trump golfen durfte und sich danach für seinen „persönlichen Zugang“ zum mächtigsten Mann der Welt bewundern ließ, sagte Stopp in Richtung Washington: „Niemand trifft Entscheidungen über Grönland und Dänemark außer Grönland und Dänemark.“
Das war’s dann wohl mit dem Golfen für Stubb, während Mette Frederiksen ganz andere Sorgen plagen. Zwar hat Dänemarks militärischer Geheimdienst die USA schon als „Bedrohung für die Reichsgemeinschaft“ auf einer Linie mit Russland und China eingeordnet. Das ändert aber nichts daran, dass Dänemark als Herzstück seiner Streitkräfte auf immer mehr F-35-Fighterjets aus den USA setzt. „Kauft, kauft, kauft“ – so hat Frederiksen ihre Militärs zu möglichst rasanter Aufrüstung angefeuert. Das könnte beim Konflikt um Grönland problematisch werden, wenn Ersatzteile oder Software-Updates von der anderen Seite des Atlantiks ausbleiben, weil Donald Trump das wichtig findet.