Vier Frauen retten dänischen Buchladen

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In Dänemark rettet eine Kleinstadt ihren Buchladen

24.12.2025

Von: Thomas Borchert

Dorte Krogsgaard vor dem Buchladen in Præstø.
Dorte Krogsgaard vor dem Buchladen. © Thomas Borchert

Die FR zeigt Beispiele aus aller Welt für gemeinsames soziales Engagement: In einer dänischen Kleinstadt gibt es weiter einen Buchladen, weil vier Frauen eine Genossenschaft gründen, um den Laden zu erhalten.

Am vierten Adventwochenende ist es krachend voll im funkelnagelneuen Buchhandel des dänischen Provinzstädtchens Præstø. Der erste Kunde ordert einen Geschenk-Gutschein über 500 Kronen, umgerechnet 67 Euro. Nach ihm ersteht ein Kunde den historischen Wälzer „De ekstreme danskere“ für 400 Kronen. Bücher können teuer sein im durchdigitalisierten Dänemark, wo ab Neujahr keine Papierpost mehr ausgetragen wird und Bargeld aus dem Alltag so gut wie verschwunden ist. Wie kann es da angehen, dass tausend von den insgesamt viertausend Seelen in diesem Ort, eine Autostunde südlich von Kopenhagen, fast im Handumdrehen und mit viel Facebook das Startkapital für einen traditionellen Laden für Bücher und Papierbedarf zusammengetragen haben?

Die Dänen machen einfach, und die Däninnen erst recht, war mein erster verblüffter Erklärungsversuch bei der Eröffnung im Oktober. Als Teilzeit-Præstørianer mit Sommerhaus ganz in der Nähe hatte ich miterlebt, wie der alte Buchhandel im Ort dichtmachte. So ist es eben in der Provinz, dachte man, mit verödenden Stadtzentren und kultureller Austrocknung. Kurz danach aber warben auf dem Wochenmarkt vier Frauen gut gelaunt für Genossenschaftsanteile à tausend Kronen, also 120 Euro. 900 davon propagierten sie als selbst errechnetes Ziel für die Neueröffnung des Buchladens an anderer Stelle. Sollte das schiefgehen, garantierten sie die Rückzahlung. Ich fand das gleichermaßen sympathisch wie hoffnungslos und dachte beim Ausfüllen meines Beitrittsformulars zur Genossenschaft – natürlich digital – an den unverwüstlichen Spruch: Du hast keine Chance, also nutze sie.

Binnen zwei Monaten hatten die vier Frauen die 900 Anteile, also umgerechnet 120.000 Euro, zusammen. Dorte Krogsgaard, jetzt Vorsitzende der Genossenschaft mit zwei ausgebildeten Buchhändlerinnen im Laden, erklärt den alle verblüffenden Erfolg mit „dem enormen Zusammenhalt der Menschen hier“. Sie sagt: „Wir haben keine öffentlichen Zuschüsse oder Großspenden aus der Wirtschaft bekommen, dafür aber zum Beispiel eine von der Frauengruppe in Præstøs Kajak-Club“. Auch von kultureller Austrocknung könne keine Rede sein. Freiwillige halten das örtliche Kino in Gang, im Sommer füllt ein Literaturfestival die Hauptstraße mit Leben.

„Wir ziehen unser Ladenprojekt nicht als naives Hippieprojekt auf,“ sagt Krogsgaard und sieht auch, dass auf den ersten Schwung mit viel Begeisterung die Mühen der Ebene folgen werden: „Wir sind der zweite Laden dieser Art in Dänemark. Den Weg des ersten haben wir sehr genau studiert, und es gibt ihn nach fünf Jahren immer noch.“

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