Dänemarks Corona-Management war bisher erfolgreich

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Dänemark war schon im vergangenen April das erste EU-Land, das die Schulen unter Hygienebedingungen wieder öffnete. AFP
Dänemark war schon im vergangenen April das erste EU-Land, das die Schulen unter Hygienebedingungen wieder öffnete. AFP© AFP

02.02.2021

Erste Lockerungen

Schulöffnung in Dänemark

  • von Thomas Borchert

Da der Lockdown für niedrige Infektionszahlen gesorgt hat, sollen Grundschulkinder wieder in die Schule gehen. Verstöße gegen die Regulierungen werden hingegen härter bestraft.

Kinder in Dänemark bis zur vierten Klasse dürfen ab Montag wieder in die Schule gehen. Die Regierung begründet die erste vorsichtige Öffnung im zweiten Lockdown mit den stark gefallenen Corona-Zahlen. Neben der Versicherung, die betroffenen Kinder seien selbst weniger durch das Virus gefährdet und verbreiteten es auch weniger, wiesen Kommentator:innen in Kopenhagen auf die Forderung von Unternehmen nach einer schnellen Schulöffnung hin. Damit sollte Eltern mit Kindern im Grundschulalter bei gleichzeitigem Homeoffice wieder ein produktiveres Arbeiten ermöglicht werden.

„Wir kalkulieren als Folge der Schulöffnung eine vertretbaren Anstieg der Infektionszahlen ein“, sagte Henrik Ullum vom staatlichen Seruminstitut. Aktuell seien die Infektionen durch den Lockdown drastisch auf eine Sieben-Tages-Inzidenz von 63,3 gefallenen. Bis März rechnet das Institut mit einer Verdoppelung der täglichen Zahlen von derzeit 300 auf 600 sowie der stationären Corona-Behandlungen von 20 auf 40. Damit könne man leben, so Ullum. Man habe bei diesen Berechnungen auch die wahrscheinliche Ausbreitung der britischen Variante B 117 mit berücksichtigt. In der vergangenen Woche hatte die Regierung die Verlängerung des Lockdowns bis Ende Februar mit dessen noch nicht absehbaren Gefahren begründet.

Gesundheitsminister Magnus Heunicke schloss denn auch zusätzliche Lockerungen bis auf Weiteres aus: „Dänemark hat damit absolut nicht den Weg zur generellen Öffnung eingeschlagen.“ Als handfesten Beweis hat die Regierung ein Eilgesetz mit drastischen Strafen für die Verletzung von Corona-Restriktionen vom Parlament eingebracht. Danach droht Personen, die nach der Einreise in Dänemark die bisher lediglich „empfohlene“ Zehn-Tage-Isolation nicht einhalten, eine Geldbuße von umgerechnet 500 Euro und bei Wiederholung eine Haftstrafe. Die Behörden haben in den vergangenen Wochen dänische Reisende über Medien „an den Pranger gestellt“, weil sie mit Ferien in Dubai oder im Tiroler Ischgl zur Verbreitung des Virus beigetragen hätten. Rückflüge aus Dubai wurden verboten.

Die Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hat mit ihrem betont robust der Öffentlichkeit vorgetragenen Corona-Management bisher Erfolg gehabt. Das gilt sowohl für die niedrigen dänischen Infektions- sowie Opferzahlen als auch für die Popularität der Sozialdemokratin. Während im benachbarten Schweden mit dem „liberalen Sonderweg“ bei gut zehn Millionen Bürger:innen bisher 11 591 Tote zu beklagen sind, waren es in Dänemark bei 5,8 Millionen Einwohner:innen nur 2145.

Zum Erfolgsrezept gehören neben dem gegenüber Deutschland etwas stärkeren Grundvertrauen der Bürger:innen in ihren Staat auch zentralisierte Entscheidungswege. Frederiksen hat sie entschlossen genutzt und ausgebaut. Dies trug ihr Kritik als „machthungrig“ ein, hat aber genauso wenig an der positiven öffentlichen Wahrnehmung geändert wie die ohne gesetzliche Grundlage verfügte Massentötung aller 18 Millionen dänischen Zuchtnerze als mögliche Corona-Verbreiter.

Die frühzeitige Digitalisierung des öffentlichen Lebens in Dänemark hat ein viel schnelleres Reagieren auf die Herausforderungen durch Covid-19 ermöglicht als beim deutschen Nachbarn. Dazu gehört auch die schon 1968 eingeführte „Personennummer“, die neben Behörden auch dem Gesundheitswesen leicht und schnell Zugang zu diversen Daten aller Bürger:innen ermöglicht.

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