Eigenwilliger Hedgefonds-Milliardär soll Norwegens Spartrumpf hüten

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Das Johan Sverdrup-Ölfeld in der Nordsee.

Norwegischer Staatsfonds

Kandidat mit Geschmäckle

  • vonThomas Borchert

Ein umstrittener Milliardär soll Norwegens gewaltigen Staatsfonds managen.

Wer Norwegens Staatsfonds, den gigantischen nationalen Sparstrumpf für schlechtere Zeiten, hütet, gehört zu den mächtigsten Investoren überhaupt. Künftig soll Nicolai Tangen diese Rolle ausüben. Das ist eine sehr bemerkenswerte Entscheidung: Als Milliardär, der als Hedgefondsmanager zu Reichtum gelangt ist, wird er einen höchst ungewöhnlichen Berufsbeamten abgeben.

Dass der 54-Jährige Teile seines Vermögens auf den als Steuerparadies berüchtigten Cayman Islands platziert hat, passt auch auf den zweiten Blick nicht so recht in das Anforderungsprofil des Fonds, mit dem das Land die Einnahmen aus dem Ölgeschäft für Rentenzahlungen an künftige Generationen investiert. Und jetzt muss sich Tangen noch gegen Enthüllungen mit Schmiergeldgeruch verteidigen.

Nicolai Tangen.

Mit einem derzeitigen Volumen von umgerechnet 922 Milliarden Euro ist der Ölfonds für die 5,4 Millionen Norweger gerade auch unter Corona-Vorzeichen und im Angesicht drastisch gefallener Ölpreise von existenzieller Bedeutung. Nach Tangens Ernennung durch die Nationalbank im März berichtete die Zeitung „VG“ nun, dass der Selfmademan wenige Monate zuvor hundert gesellschaftliche „Spitzen“ aus Norwegen und London in zwei von ihm gecharterten Luxusflugzeugen zu einem exklusiven Wirtschaftsseminar nach Philadelphia fliegen ließ.

Gäste bei freier Kost und Logis waren unter anderem der derzeitige Chef des Ölfonds, Yngve Slyngstad, und der damalige Handelsminister Torbjørn Røe Isaksen. Viele hochkarätige Promis aus Kultur und Wissenschaft waren dabei, als Starkoch Jamie Oliver seinen Vortrag über nachhaltige Gastronomiekonzepte ablieferte.

Für die Abendunterhaltung sorgte Popstar Sting mit einer Gage von einer Million Dollar. Was Tangen bereitwillig bestätigt hat, ohne aber die Gesamtkosten zu nennen: „Ich hab‘ mir nur einen Traum erfüllt. Das hatte ja mit dem Ölfonds nichts zu tun.“

Trotzdem bat er den vor dem Rücktritt stehenden Slyngstad wenig später als Bewerber um dessen Nachfolge per E-Mail „um einen kleinen Gefallen“: „In deine großen Fußstapfen als Ölfondschef zu treten, ist kaum möglich. Aber einer muss es ja versuchen, wie wir auch bei dem Seminar kurz besprochen haben.“ Ob Slyngstad ihm bei einem Meeting wohl kurz erklären könnte, wie es bei dem Job mit den „politischen Leitlinien, Möglichkeiten und so funktioniert“.

Das Treffen kam nicht zustande, aber auch ohne setzte sich dieser rührige Kandidat durch. Tangen trat nach seiner Ernennung als sozial und kulturell engagierter Verfechter von 100 Prozent Erbschaftssteuer auf: „Es ist extrem ungerecht, dass manche mit einem Sack Geld zur Welt kommen.“ Auch müsse es viel mehr Frauen an den Schalthebeln geben: „Frauen haben weniger Unfälle im Straßenverkehr und auf den Finanzmärkten. Die Finanzkrise wäre anders gelaufen, wenn es die Lehman Sisters gegeben hätte.“

Tangen wird sowohl in Oslo wie auch in der Finanzmetropole London als wahrer Meister des Investmentfachs gelobt. Mit seiner Firma AKO Capital hat er es auf ein Privatvermögen von über einer Milliarde Euro gebracht. Davon, so gab er in Interviews an, habe er schon vor längerem knapp die Hälfte über eine Stiftung für wohltätige, künstlerische und akademische Zwecke gespendet. Aus London kehre er mit einem Vermögen „so um die sieben bis acht Milliarden Kronen“ (600 bis 680 Millionen Euro) in die Heimat zurück. Auf Kritik an seiner neuen Rolle sei er als gelernter Koch eingestellt: „Man ist immer nur so gut wie der letzte Pfannkuchen.“

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