Sipri: Dramatische Steigerungen im Rüstungsgeschäft

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Steigende Rüstungsexporte aus Deutschland halten Rheinmetall auf Wachstumskurs.

Rüstungsexporte

„Dramatische Steigerung“: Globaler Waffenhandel boomt

  • von Thomas Borchert

Vor allem die USA und Frankreich steigern ihre Rüstungsexporte.

  • Der Globaler Waffenhandel boomt
  • Friedensforschungsinstitut ermittelt „dramatische Steigerung“ der Rüstungsexporte
  • Deutsche Rüstungsindustrie mit großem Plus

Eine „dramatische Steigerung“ der Rüstungsexporte aus den USA und einigen anderen Ländern hat das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri für die vergangenen fünf Jahre ermittelt. Die Vereinigten Staaten als souveräner Marktführer konnten zwischen 2015 und 2019 mit 23 Prozent knapp ein Viertel mehr Waffensysteme in andere Ländern verkaufen als 2010 bis 2014. Das berichtet Sipri in einem Bericht, der heute veröffentlicht wird.

Zahlungskräftige Abnehmer mit einer stark gestiegenen Nachfrage nach Kampfflugzeugen, präzisionsgelenkten Bomben und anderen todbringenden Produkten waren vor allem Staaten wie Saudi-Arabien in der Kriegs- und Krisenregion Nahost. Hier machten die US-Lieferanten ziemlich genau die Hälfte ihrer Rüstungsgeschäfte (51 Prozent).

Waffenhandel und Rüstungsexporte: Frankreich verkauft mehr größerer Waffensysteme

Frankreich verzeichnete als drittgrößter Rüstungsexporteur der Welt hinter Russland sogar eine Steigerung von 72 Prozent beim Verkauf größerer Waffensysteme. Die Exporte nach Nahost haben sich von 2015 bis 2019 mit einem Plus von 363 Prozent fast vervierfacht und machen ebenfalls die Hälfte des Geschäftsvolumens aus. Frankreichs wichtigster Kunde war Ägypten, dicht gefolgt von Katar und Indien.

Die deutsche Rüstungsindustrie gehört mit einem Plus von 17 Prozent in den vergangenen fünf Jahren ebenfalls zu den „Gewinnern“. Dazu trug vor allem die Lieferung von U-Booten nach Südkorea, Ägypten, Griechenland, Kolumbien, Italien und Israel bei; sie machten zusammen 39 Prozent der deutschen Gesamtausfuhren aus. Die Nahost-Exporte mit einem Anteil von 24 Prozent lagen deutlich niedriger als bei den wichtigsten Konkurrenten im Waffengeschäft.

Waffenhandel und Rüstungsexporte: Saudi-Arabien kauft am meisten

Der Sipri-Experte Pieter Wezeman nannte als Grund neben den restriktiveren Bestimmungen, darunter das Ausfuhrverbot nach Saudi-Arabien, dass sich einige deutsche Deals verzögert hätten. Er sagte der FR: „Es sind Lieferungen einfach noch nicht zustande gekommen, wie etwa die von U-Booten an die Türkei aus technischen Gründen.“ Wenn der vereinbarte Verkauf weiterer U-Boote sowie von Fregatten an Ägypten verwirklicht sei, werde das den Nahost-Anteil am deutschen Rüstungsgeschäft deutlich nach oben bringen.

Auf der Abnehmerseite haben die Herrscher in Saudi-Arabien ihre Importe seit Beginn der Krieges im Jemen 2015 mit einem Plus von 130 Prozent mehr als verdoppelt. Das entspricht einem Weltmarktanteil von zwölf Prozent und bringt das Land an die Spitze der Rangliste für Rüstungsimporteure. Die Hälfte aller Lieferungen nach Nahost aus den Vereinigten Staaten landete in Saudi-Arabien.

Waffenhandel und Rüstungsexporte: Russland verzeichnet Minus

Auch Russland konnte seine Ausfuhren in diese Region in den vergangenen fünf Jahren um 30 Prozent steigern. Das ist umso bemerkenswerter, als der zweitgrößte Rüstungslieferant der Welt hinter den USA in dem Zeitraum ein Minus von 18 Prozent verzeichnen musste. Russlands Weltmarktanteil fiel von 27 auf 21 Prozent. „Das Minus im russischen Exportgeschäft hat vor allem kommerzielle und technische Gründe – zum Beispiel dass Venezuela zahlungsunfähig geworden ist“, erklärte Wezeman.

Vergleichsweise niedrig fiel der Zuwachs bei den chinesischen Rüstungsexporten aus: Er betrug 6,3 Prozent. Der Weltmarktanteil der nicht zuletzt militärisch aufstrebenden Supermacht blieb konstant bei 5,5 Prozent und lag damit knapp unter dem der deutschen Waffenexporte mit 5,8 Prozent.

Als Ausdruck geopolitischer Veränderungen interpretierte der Sipri-Experte Wezeman, dass Indien als zweitgrößter Rüstungsimporteur der Welt nach Saudi-Arabien zwar weiter überwiegend in Russland einkauft, aber zunehmend mehr Bestellungen in Ländern wie Frankreich, Israel und den USA platziert: „Hier zeigt sich der Wunsch, mit diesen Ländern enger gegenüber der wachsenden Macht Chinas zusammenzurücken.“

Rüstungsexporte steigen weltweit um 5,5 Prozent

Die Rüstungsexporte stiegen insgesamt weltweit in den vergangenen fünf Jahren um 5,5 Prozent. Dass das Wachstum trotz dramatischer Zuwachsraten beim Branchenersten USA und anderer Länder am Ende einstellig blieb, bewirkte neben dem Minus in Russland vor allem ein Rückgang der britischen Ausfuhren um 15 Prozent.

Saudi-Arabien hat in den vergangenen fünf Jahren so massiv aufgerüstet, wie kein anderes Land – die Ausgaben für Waffenimporte stiegen um 130 Prozent. Der Krieg im Jemen, in dem Riad mitmischt, ist der Hauptgrund. Erstmals hat Saudi-Arabien 2019 auch Waffen bei Russland eingekauft, es handelte sich um das gepanzerte Raketenwerfersystem TOS-1A.

 

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