Nach der Danske Bank steht nun auch Nordea unter dem Verdacht der Geldwäsche.

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Skandinaviens Banken im Skandalsumpf

Nach der Danske Bank in Dänemark steht nun auch Nordea unter dem Verdacht der Geldwäsche.

19.10.2018

 

Stockholm
Es geht runter: Der Danske Bank drohen astronomisch hohe Bußgelder. Foto: rtr

Skandinaviern dürfte am Donnerstag bei der Zeitungslektüre oder vor dem Newsportal ihr sicher unterschiedlich ausgeprägtes Vertrauen in den heimischen Banksektor gleichermaßen abhanden gekommen sein. An diesem einen Tag haben unabhängig voneinander die Danske Bank, die schwedischen Banken SEB und Nordea, die klingendsten Namen im nordeuropäischen Finanzgeschäft, trübe Schlagzeilen über schon eingestandene oder frisch enthüllte Riesengeschäfte mit Geldwäsche und Steuerhinterziehung produziert. Und das in den Ländern, die regelmäßig alle Weltranglisten über Sicherheit vor Korruption und organisierter Kriminalität anführen.

In Kopenhagen hat die Finanzaufsicht die vom Aufsichtsrat beschlossene Ernennung von Jacob Aarup-Andersen zum neuen Chef der Danske Bank verboten: Im Gefolge des bisher größten europäischen Geldwäsche-Skandals sei der 40-jährige Insider „zu unerfahren“. Zeitgleich bestätigte die Zentrale des nordeuropäischen Branchenprimus Nordea in Helsinki fast im Stundentakt polizeiliche Ermittlungen, ebenfalls wegen mutmaßlicher Geldwäsche für russische Kunden mit westlichen Partnern. Vorerst ist dies vom US-Finanzmann Bill Browder mithilfe von Whistleblowern in weit bescheidenerem Ausmaß (umgerechnet 100 Millionen Euro) dokumentiert und zur Anzeige gebracht als bei der Danske Bank mit sagenhaften 200 Milliarden Euro, die seit einem Monat bekannt sind.

Auch hier waren Browders langjährige Ermittlungen gegen die russische Mafia und ihre satt entlohnten Türöffner im Westen der Startpunkt. Die Provinz-Filiale der Danske Bank im estnischen Tallinn brachte in den Glanzjahren der 2014 gestoppten Geldwäsche zehn Prozent des Konzerngewinns – ohne dass die Bankspitze das Geringste vom Hintergrund dieser prachtvollen Profite aus dem Baltikum geahnt haben will.

Im schwedischen Fernsehen sagte Browder zu den neuen Vorwürfen gegen Nordea: „Es wäre schon sehr überraschend, wenn das keinen größeren Umfang hat.“ Nordea versicherte eilig, man kooperiere „voll und ganz mit den Behörden“ und tue ohnehin alles, um noch wasserdichtere Schotten gegen die Möglichkeit von Geldwäsche einzuziehen. Da wusste die Bank, wovon die Rede ist. Seit 2010 ist sie mehrfach mit Bußgeldern belegt, weil die Schotten so weit offen standen, dass die schwedische Finanzaufsicht FI 2015 nach einer Stichprobenkontrolle mit dem schwedischen Maximums-Bußgeld von 50 Millionen Kronen (knapp 5 Millionen Euro) konstatierte: „Nordeas System hat im Prinzip alles und jeden durchgelassen.“

Systemisch für Dänemark ist auch die Danske Bank

Ein Jahr später fasste Nordeas Mehrheitsaktionär und Aufsichtsratschef Björn Wahlroos seine Philosophie für seinen in den vier Stammländern Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark „systemischen“, also unverzichtbar wichtigen Finanzkonzern so zusammen: „Circa 80 Prozent der Leute sind Idioten, jedenfalls wenn es um Geld geht. Der Finanzsektor ist dazu da, das Geld von den 80 Prozent, die keine Ideen haben, zu den 20 Prozent mit Ideen zu lenken.“ Gesagt, getan.

Systemisch für Dänemark ist auch die Danske Bank: Ihre Bilanzsumme übersteigt das Bruttoinlandsprodukt um das Anderthalbfache. Wenn die erst angelaufenen Ermittlungen der US-Finanzaufsicht zu am Ende möglicherweise existenzgefährdenden Bußgeldern führt, werden die 5,8 Millionen Bürger mit Steuergeldern wieder für eine Amokfahrt der Hausbank ihres Staates aufkommen müssen, wie schon nach der Finanzkrise 2008.

Dass die Kopenhagener Finanzbehörde die Zustimmung zum intern auserkorenen CEO Andersen verweigert hat, dürfte ein aggressiv verzweifeltes Signal aus der Regierungsspitze sein, dass die Danske Bank ihre arrogante Haltung zum Geldwäscheskandal schleunigst ändert. Denn bis auf den mit Millionen-Abfindung und hehrem Lob verabschiedeten Vorstandschef Thomas Borgen sind alle Topleute im Amt geblieben. Die Wortwahl mit viel „Demut“ und „vor Verantwortung nicht weglaufen“ hat man ja auch schon anderswo gehört.

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